Bericht: Globale Entwaldung 2025 zurückgegangen - allerdings kein Langfrist-Trend / Foto: Glody MURHABAZI - AFP/Archiv
Die weltweite Entwaldung hat sich einem Bericht zufolge im vergangenen Jahr verlangsamt. Mit der unwiderbringlichen Zerstörung von sieben Millionen Hektar Wald in aller Welt sei das Ausmaß der Zerstörung vergangenes Jahr 15 Prozent geringer gewesen als 2024, erklärte am Mittwoch das Bündnis Forest Declaration Assessment, dem Wissenschaftler, NGOs und Denkfabriken angehören. Angesichts einer Verschlechterung der Lage in Zentralafrika und der Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño sei dieser Fortschritt aber voraussichtlich nicht von Dauer.
Der deutliche Entwaldungsrückgang im vergangenen Jahr sei "ermutigend" und zeige, "dass Fortschritt möglich ist", sagte Erin Matson, Expertin der Beratungsfirma Climate Focus und Ko-Autorin des Berichts. "Aber für den Moment stellt 2025 eine Ausnahme dar, keinen neuen Kurs."
Der relative Verbesserung im vergangenen Jahr führen die Berichtsautoren auf eine Eindämmung der landwirtschaftlichen Nutzung von Flächen im brasilianischen Amazonas-Gebiet zurück. Auch sonst habe sich die Lage in Lateinamerika verbessert.
Brasiliens gegenwärtiger Staatschef Luiz Inàcio Lula da Silva setzt sich für den Schutz des Amazonas-Regenwalds ein. Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt am 25. Oktober ist allerdings sein rechtsgerichteter Herausforderer Flávio Bolsonaro Favorit, der wirtschaftlichen Interessen klar den Vorrang vor Umweltbelangen gibt.
Ane Alencar vom brasilianischen Amazonas-Umweltforschungsinstitut Ipam hob hervor, die Verfolgung beider Anliegen müsse kein Widerspruch sein. "Wir haben diese Verringerung der Entwaldung nicht erreicht, indem wir die landwirtschaftliche Produktion oder die Wirtschaftsentwicklung geopfert haben", erklärte sie. Daher sei es denkbar, dass Brasiliens mächtiger Agrarsektor die Tendenz zur Urwaldzerstörung selbst dann umkehre, wenn Lula abgewählt werde.
Die Berichtsautoren warnen, dass aber auch die neuen rechtsgerichteten Staatschefs von Kolumbien und Peru, Abelardo de la Espriella und Keiko Fujimori, den Waldschutz hintertreiben könnten. Davon abgesehen hat sich die Lage im zentralafrikanischen Kongo-Becken im vergangenen Jahr verschlechtert. Allein dort wurden dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Hektar Wald zerstört. Damit war das Ausmaß der dortigen Entwaldung erstmals mit dem in Lateinamerika vergleichbar.
Die finanzielle Ausbeutung der Regenwälder durch Forst- und Landwirtschaft oder Bergbau nehme in der Region immer weiter zu, kritisierte Sam Nguiffo, Gründer des Zentrums für Umwelt und Entwicklung in Kamerun. Dies sei "eine Katastrophe", unter anderem für Indigene und den Artenschutz.
2026 könnte der derzeit außergewöhnlich starke El Niño zu einer Zunahme der globalen Entwaldung beitragen, warnen die Berichtsautoren. Schließlich erhöhe das Klimaphänomen das Risiko für Dürren und Brände in den Tropenwäldern. "Die Auswirkungen dieses El Niño zeigen sich bereits in Ländern wie Indonesien, wo seit Wochen riesige Brände wüten", hob Expertin Matson hervor. Ein Rückgang der Waldzerstörung wie 2025 erscheine 2026 daher "unwahrscheinlich".
Bei dem natürlich auftretenden Klimaphänomen El Niño erwärmt sich die Wasseroberfläche im östlichen und zentralen Pazifik nahe des Äquators, was weltweit Auswirkungen auf Wind, Luftdruck und Niederschläge hat. In der Folge steigt das Risiko für Wetterextreme.
Bei der UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow hatten sich mehr als 140 Staats- und Regierungschefs zu dem Ziel bekannt, die weltweite Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Dazu müsste das Ausmaß der Waldzerstörung jährlich um etwa eine Million Hektar verringert werden. Von diesem Pfad ist die internationale Weltgemeinschaft allerdings weit entfernt.
T.Luyten--LCdB