Nach Trumps Abrissdrohung: Menschenkette um das Kennedy Center in Washington / Foto: Kent NISHIMURA - AFP
Aus Protest gegen den von US-Präsident Donald Trump angedrohten Abriss des Kennedy Centers in Washington haben Demonstranten in der US-Hauptstadt eine Menschenkette um das renommierte Kulturzentrum gebildet. Mehr als tausend Menschen waren dafür am Freitagabend (Ortszeit) zu dem seit Mittwoch mit Bauzäunen abgesperrten Gebäude aus weißem Marmor am Ufer des Flusses Potomac gekommen. Sie sangen Lieder und trugen Plakate, auf denen etwa zu lesen war: "Hände weg vom Kennedy Center".
Trump hatte am Dienstag die sofortige Schließung des Kennedy Centers in der US-Hauptstadt verkündet. Hintergrund ist ein Rechtsstreit um die ihm verlangte Anbringung seines eigenen Namens an der Fassade. Ein US-Bundesrichter hatte dies zuvor erneut verweigert. Trump brachte daraufhin einen Abriss des Gebäudes ins Spiel. Fotos der Nachrichtenagentur AFP, auf denen er entsprechende Pläne zu studieren scheint, sorgten vor wenigen Tagen für Aufsehen.
"Da wird mir ganz übel", sagte Neal Racioppo, der sich der Menschenkette angeschlossen hatte. Er habe im Kennedy Center Theaterstücke, Ballettaufführungen und Filme gesehen. "Ich habe meine Tochter mitgenommen, damit sie hier ihren ersten Film mit Charlie Chaplin sieht. Zu hören, wie eine Fünfjährige über einen hundert Jahre alten Witz lacht, hat mir die Tränen in die Augen getrieben." Trump wolle diesen Ort "der Welt vorenthalten, weil er seinen Namen nicht auf dem Gebäude verewigen könne, sagte der Marketing-Mitarbeiter eines Theaters in Washington.
Die Kultureinrichtung war 1971 zu Ehren des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy eröffnet worden. Trump warf der Leitung nach seinem erneuten Amtsantritt im Januar 2025 eine links-"woke" Haltung vor und setzte sich selbst an die Spitze eines Verwaltungsrats mit handverlesenen Mitgliedern.
Das Gremium beschloss im vergangenen Dezember die Umbenennung in "Donald J. Trump and John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts". Trumps Name wurde daraufhin in Großbuchstaben auf der Fassade über dem Kennedys angebracht. Gerichte erklärten dies jedoch für unrechtmäßig, da nur der Kongress eine Namensänderung beschließen kann.
Die jetzt verfügte Schließung des Zentrums begründete Trump mit angeblich notwendigen Renovierungsarbeiten in Millionenhöhe. Der 80-jährige Präsident sagte, dafür müsse seine Regierung auf jeden Fall "Anerkennung" erhalten. Ansonsten werde das Zentrum für immer schließen. "Am Ende wird es abgerissen", drohte er.
Z.Barbier--LCdB