Eskalation im Konflikt mit Huthis: Viele Tote und Verletzte bei Angriff auf Riads Airport / Foto: - - AFP/Archiv
Mit einem tödlichen Raketenangriff auf den internationalen Flughafen der saudiarabischen Hauptstadt Riad ist der Konflikt mit der pro-iranischen Huthi-Miliz im Jemen weiter eskaliert. Nach dem Angriff mit mindestens zwölf Toten und 309 Verletzten kündigte die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition gegen die Huthis am Sonntag eine entschiedene Reaktion an. US-Präsident Donald Trump kritisierte die Attacke vom Samstag als "nicht hinnehmbar", die Vereinten Nationen äußerten sich besorgt.
Wie Saudi-Arabiens zivile Luftfahrtbehörde mitteilte, zählen zu den Todesopfern des Airport-Beschusses acht Ausländer: ein Mensch aus den USA, zwei Menschen aus Bangladesch, ein Palästinenser und jeweils ein Menschen aus Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Sudan.
Weiter hieß es, die 309 Verletzten würden "in mehreren Krankenhäusern" behandelt, einige schwebten in Lebensgefahr. In der Mitteilung war außerdem von "materiellen Schäden" durch den Angriff die Rede, deren Ausmaß noch geprüft werde. Der Flugbetrieb wurde vorerst eingestellt.
Es handelt sich um den tödlichsten Angriff in Saudi-Arabien seit 2015. Damals waren bei einem Selbstmordanschlag der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) 21 Menschen in einer Moschee im Verwaltungsbezirk Katif getötet worden.
"Was in Saudi-Arabien passiert ist, ist nicht akzeptabel", sagte Trump vor Journalisten. Er werde mit Saudi-Arabiens De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman darüber "sprechen". Auf Nachfrage schloss er nicht aus, sich an den saudiarabischen Angriffen auf die Huthis zu beteiligen. US-Medien zufolge hatte die US-Regierung Bitten Saudi-Arabiens um militärische Unterstützung bisher abgelehnt.
Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Hans Grundberg, kritisierte die Angriffe auf Saudi-Arabien als "schwerwiegende Eskalation". "Solche Handlungen sind eine ernsthafte Gefahr für die regionale Sicherheit, verstetigen Kreisläufe der Gewalt und komplizieren die Friedensbemühungen für den Jemen noch mehr", erklärte er in New York.
Nach Angaben eines Augenzeugen schlug die Rakete am Inlandsflugterminal ein. "Ich war am Gate 403", sagte der Mann der Nachrichtenagentur AFP. "Ich sah, wie 401 getroffen wurde, ich sah Verletzte direkt vor meinen Augen. Alle rannten."
Wegen der "schweren Notsituation" bestellte das saudiarabische Gesundheitsministerium nach Angaben aus Medizinerkreisen Notärzte ein, die sich in Krankenhäusern in Riad und Umgebung um die vielen Verletzten kümmern sollten.
Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition machte die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen für den "feigen terroristischen Angriff" verantwortlich und kündigte an, "mit Entschlossenheit" darauf zu reagieren. Es handele sich um ein "Kriegsverbrechen" mit zivilen Opfern.
Saudi-Arabien räumt nur selten ein, dass bei Angriffen zivile Ziele getroffen wurden. Der Flughafen von Riad war bereits am Donnerstag beschossen worden. Dabei wurden nach saudiarabischen Angaben drei Menschen aus Saudi-Arabien getötet und ein Flugzeug beschädigt. Bei einem Huthi-Angriff auf den Airport am Mittwoch waren drei Menschen aus Ägypten, Algerien und dem Sudan getötet worden.
Ein weiteres Geschoss schlug am Samstag in der Nähe des internationalen Flughafens der Stadt Dammam an der Ostküste Saudi-Arabiens ein, wie die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition erklärte. Sie teilte am Sonntag zudem mit, dass sie in Al-Chardsch südöstlich von Riad eine von der Huthi-Miliz abgefeuerte ballistische Rakete abgeschossen habe. In der Gegend befindet sich der Prinz-Sultan-Luftwaffenstützpunkt.
Deutschland und andere westliche Länder raten inzwischen von einer Nutzung des internationalen Flughafens von Riad ab. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte zudem, derzeit werde von allen Reisen nach Saudi-Arabien abgeraten.
Laut einem westlichen Diplomaten rieten mehrere westliche Botschaften in Riad ihren Mitarbeitern, den Flughafen der Hauptstadt zunächst eine Woche lang zu meiden. Die Angriffe auf den Airport treffen Saudi-Arabien, kurz bevor es im Oktober eine große Investitionskonferenz veranstaltet, zu der aus dem Ausland viele führende Persönlichkeiten aus der Wirtschaft erwartet werden.
Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Militärkoalition an, die die international anerkannte Regierung des Jemen im Kampf gegen die Huthis unterstützt. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz kontrolliert seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa.
Nach Beginn des Iran-Kriegs, den die USA und Israel Ende Februar begonnen hatten, war auch der Konflikt im Jemen wieder eskaliert. Zuletzt übernahm die Huthi-Miliz nach einer Blitzoffensive die Kontrolle über große Teile der Küste an der strategisch und wirtschaftlich wichtigen Meerenge Bab al-Mandab.
Y.Bernard--LCdB