"Fatales Zeichen": Neuendorf kritisiert FIFA-Pläne / Foto: ALEXANDER HASSENSTEIN - SID
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat die Investorenpläne des Fußball-Weltverbands FIFA scharf kritisiert. Es sei "ein fatales Zeichen, die Fußball-WM für Investoren zu öffnen. Der Fußball lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft, wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen", sagte Neuendorf in einem Interview mit der Sportschau und dem ZDF.
Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fürchtet deshalb große Konsequenzen. "Die Akzeptanz der Fans dürfen wir nicht verlieren, aber wir sind auf dem besten Wege, diese Akzeptanz zunichte zu machen. Das halte ich für überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig."
Der Weltverband und dessen viel kritisierter Präsident Gianni Infantino planen, Anteile der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Die FIFA will dafür eine Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln soll. Infantino soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge den 211 Mitgliedsverbänden zudem eine Frist bis zum 19. September gesetzt haben, um den Plänen zuzustimmen. Eine einfache Mehrheit soll demnach ausreichen, um die Vorhaben umzusetzen.
Neuendorf habe der Vorstoß "einmal mehr überrascht. Ich bin Mitglied im FIFA-Council. Da erwartet man schon, dass man über so eine gewichtige Entscheidung auch vorab informiert wird", erklärte er: "Das ist so umfassend, darüber muss ja innerhalb der FIFA über Monate, wenn nicht sogar über ein Jahr oder noch länger gesprochen worden sein. Es war nie Thema im Council."
Stattdessen habe er wie andere Kollegen die Nachricht "aus der Zeitung erfahren müssen. Das ist kein Umgang." Das Vorgehen sei "überaus bedenklich. Wenn man in dem Gremium sitzt, möchte man an Entscheidungen aktiv mitwirken und seine Meinung äußern können", sagte Neuendorf: "Das muss ein Prozess sein, das alles findet bei der FIFA nicht statt. Bei wichtigen Themen, und insbesondere jetzt auch beim Investorenthema."
Auch aus vielen anderen Richtungen hagelte es Kritik, vor allem aus Europa. Die UEFA soll am Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung einberufen haben, auch ein Boykott der WM soll laut Sky, ESPN und Bloomberg darin Thema sein. Die Investorenpläne bezeichnet der europäische Kontinentalverband als Grenzüberschreitung.
"Vorbehaltlich" der Zustimmung durch eine Mehrheit der Mitgliedsverbände und des Councils soll laut FIFA die Investorengruppe von Thrive Capital angeführt werden, einer Investmentgesellschaft von Joshua Kushner, Bruder von Jared Kushner, des Schwiegersohns von US-Präsident Donald Trump.
L.Moonen--LCdB