Kaul erklärt Silber-Rezept: "Diese Restlockerheit braucht man" / Foto: Ben STANSALL - SID
Zehnkämpfer Niklas Kaul hat seine Silbermedaille bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham vor anderthalb Wochen auch mit einer Veränderung seiner inneren Haltung erklärt: "Ich bin nicht mit der Einstellung in die Saison gegangen: Ich muss Europameister werden", sagte der 28-Jährige im Interview mit Sport1. Noch vor einigen Jahren hingegen habe der Weltmeister von 2019 gedacht, "ab jetzt immer gewinnen zu müssen."
Daher sei auch der Kampf um eine olympische Medaille zu einer enormen Belastung geworden: "Ich habe relativ verbissen diese olympische Medaille gejagt, und das hat einfach nicht funktioniert. Für mich jedenfalls nicht", erklärte der Mainzer. Bei den Spielen 2024 in Paris hatte er Platz acht belegt, während sein Landsmann Leo Neugebauer Silber gewann. 2021 in Tokio hatte Kaul wegen einer Verletzung aus dem olympischen Wettkampf aussteigen müssen.
Der amtierende Weltmeister Neugebauer hatte sich in Birmingham auch zu Europas Champion gekürt, Kaul gab sich mit Platz zwei vollauf zufrieden. "Ich wollte bei der EM einen guten Wettkampf machen und dann schauen, wozu es reicht", sagte er. "Diese Restlockerheit braucht man einfach. Die habe ich mir in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet", führte Kaul aus.
EM-Silber sehe er deshalb als "eine Belohnung für die Arbeit, die bei mir im Kopf stattgefunden hat – und nicht nur für die Arbeit auf dem Trainingsplatz." Dennoch bleibe sein WM-Titel von 2019 der für ihn "größte sportliche Erfolg." Kauls großes Ziel sind die Olympischen Spiele in zwei Jahren in den USA, "ich werde das auf jeden Fall noch bis Los Angeles 2028 machen und dann schauen wir weiter", kündigte er an - und erklärte, dass künftig unter guten Wettkampfbedingungen "auch 8700 bis 8800 Punkte möglich" seien.
P.Matthys--LCdB