IUCN: Wegen Klimawandels fast alle Korallenriffe der Welt vom Absterben bedroht / Foto: Violeta J Brosig - Minderoo Foundation/AFP/Archiv
Wegen des fortschreitenden Klimawandels sind laut einer Prognose der Weltnaturschutzunion (IUCN) innerhalb der kommenden 50 Jahre fast alle Korallenriffe der Welt vom Absterben bedroht. Es bestehe für 96 Prozent der Korallenriffe in den Weltmeeren "ein extrem erhöhtes Risiko", dass sie bis 2075 absterben, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten IUCN-Analyse. Es war die erste weltweite Untersuchung dieser Art.
Die IUCN schätzte für ihre Prognose den Zustand und die Entwicklung von Korallenriffen vor den Küsten von mehr als 80 Ländern und Gebieten ein. Dabei stufte sie 96 Prozent in die Kategorie "vom Aussterben bedroht" ein - dies ist die höchste von der Organisation definierte Gefährdungsstufe.
Korallen bilden natürliche Barrieren gegen Erosion, sind Reservoirs der Artenvielfalt und Kohlenstoffspeicher. Sie bleichen unter Hitzeeinwirkung aus und sind besonders anfällig für die Auswirkungen der globalen Erwärmung: In wärmeren Ozeanen sterben die Mikroorganismen, die ihnen ihre leuchtenden Farben verleihen und sie mit Nahrung versorgen - die Korallen werden bleich und "verhungern" schließlich.
"Das Risiko eines Zusammenbruchs von Korallenriffen nimmt zu", sagte Mishal Gudka, wissenschaftlicher Leiter der Bewertung für die Rote Liste der Korallenriff-Ökosysteme. "Doch das sollte eher ein Weckruf als ein Grund zur Verzweiflung sein." Korallenriffe hätten in der Vergangenheit "eine bemerkenswerte Fähigkeit bewiesen, sich von verheerenden Bleichen wieder zu erholen". Dafür müsste aber stärker gegen den Klimawandel gekämpft werden.
Für ihre Bewertung nutzten die IUCN-Wissenschaftler das "mittlere" Szenario des UN-Klimarats, das bis zum Jahr 2100 einen Anstieg der globalen Temperaturen um 2,7 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau prognostiziert.
"Hitzestress infolge des Klimawandels ist weltweit die beständigste Bedrohung, die den Rückgang der Korallenriffe vorantreibt", erklärte die Weltnaturschutzunion. Auch schade Überfischung, weil bestimmte pflanzenfressende Tiere und Raubfische dazu beitragen, an den Riffen Algen in Schach zu halten und ein ökologisches Gleichgewicht zu bewahren. Zu den weiteren Bedrohungen zählen laut IUCN Küstenbebauung, Umweltverschmutzung, Tourismus sowie durch den Klimawandel immer häufiger auftretende Stürme.
Die Veröffentlichung der IUCN-Analyse erfolgte am Rande der derzeit laufenden UN-Artenschutzkonferenz (COP17) in Armenien. In der Hauptstadt Eriwan beraten Vertreter aus fast 200 Staaten über Maßnahmen gegen den rasanten Rückgang der Biodiversität, die auch für den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielt.
W.Smets--LCdB